Entlang der Ostküste Richtung Süden

Nach rund zwei Stunden Flugzeit landen wir am Samstagabend mit fast 1.5 Stunden Verspätung in Taipeh. Die Einreise verläuft reibungslos und als wir den Flughafen verlassen ist es bereits dunkel. Das gemietete Auto steht bereits auf dem Parkplatz 1 bereit und dank den guten Anweisungen per Whatsapp finden wir es auf Anhieb. So fahren wir kurz darauf los Richtung Jiufen. Um dorthin zu gelangen müssen wir aber erst die ganze Stadt Taipeh auf Schnellstrassen durchqueren. Dank dem Google Navi schaffen wir aber auch das. Zum Schluss erwartet uns noch eine schmale Bergstrasse, ehe wir oberhalb des Dorfes auf den Parkplatz fahren. Der Gratis-Parkplatz ist mehr als voll und so fragt Simon im Feuerwehrmagazin an ob es noch weitere Parkplätze gebe. Sie sind so freundlich und stellen ein Fahrzeug von sich um, damit wir noch ein offizielles Parkfeld zur Verfügung haben. Wir laden unser Gepäck aus und machen uns zu Fuss auf die Suche nach unserer Unterkunft. Im Dorf selber gibt es nämlich nur schmale Wege und vor allem viele Treppen. Nach einem kurzen Fussmarsch werden wir fündig. Es ist schon nach 21.00 Uhr und wir sind hungrig. Über zahlreiche Treppen steigen wir runter in die geschäftige Old Street. Wir bemerken aber, dass um diese Uhrzeit bereits alle Geschäfte geschlossen sind. Einzig ein Stand mit frittiertem ist noch offen. So gönnen wir uns im stehen etwas frittiertes und zwei Taiwan Bier. Im Family Mart decken wir uns noch mit Fertignudeln ein, um diese in der Unterkunft zu essen.

 

Am Sonntag fahren wir die kurze Strecke nach Jinguashi ins Gold Museum. Während der japanischen Kolonialzeit von 1896-1945 wurde die Regio zur Gold-Hauptstadt Asiens. Das Gelände der ehemaligen Taiwan Metal Mining Corp. ist ziemlich weitläufig und so müssen wir uns erst einmal orientieren. Für die kurze Fahrt mit dem „Stollenbähnli“ bekommen alle einen Helm aufgesetzt. Das Bähnli fährt aber keine 100 Meter hin und dann wieder zurück. Nach der kurzen Fahrt können wir zu Fuss noch einen Stollen erkunden. Da das Goldwaschen erst um 13.30 Uhr wieder freie Plätze hat erkunden wir noch weiter das Gelände und einen nahe gelegenen Tempel. Dann ist es soweit und wir bekommen, zusammen mit rund 30 weiteren Personen eine kleine Pfanne mit Sand und Steinen ausgehändigt. Schritt für Schritt wird uns in chinesisch erklärt wie wir das Gold zu waschen haben. Wir machen einfach was die andern auch machen und lachen, wenn die andern auch lachen. Zum Schluss haben wir alle ein kleines Fläschchen mit ein wenig Sand drin. Mit der Taschenlampe angeleuchtet und etwas Fantasie glitzert es im Fläschchen. Am Nachmittag fahren wir in die Stadt Keelung um Adapter für unsere Stecker zu kaufen. Unser Universal-Adapter funktioniert hier nämlich nicht. Schon ist es wieder Abend aber diesmal sind wir früher dran. So erkunden wir die Old Street von Jiufen. Die Gassen sind eng und voll mit Leuten. Wir finden ein gemütliches Restaurant gegenüber von einem schön beleuchteten Teehaus und lassen es uns gut gehen.

 

Über die unzähligen Treppen schleppen wir in der Morgenhitze unsere Rucksäcke wieder hoch zum Parkplatz. Nach einer kurvenreichen Fahrt durch die Berge machen wir bei einer Bäckerei halt um etwas zu essen. Da wir wieder einmal spät dran sind hat es nur noch zwei Brote. So decken wir uns im 7-eleven um die Ecke mit etwas essbarem ein. Den nächsten Halt machen wir im Jiaoxi Hot Springs Park. Im Park mit heissen Quellen können wir in verschiedenen Bädern die Füsse baden. Weiter geht es in einen japanischen Garten (Freizeitpark). Eine schöne und gepflegte Anlagen mit vielen Fotomotiven, Bogenschiessen und Lamas, Hirschen und Wasserschweinen (Capybaras). Entlang der Küste geht es weiter bis nach Xincheng in der Nähe der Taroko Schlucht. Dort beziehen wir ein grosses und ziemlich neues Zimmer mit bequemen Betten.

 

Der Taroko Nationalpark ist der älteste Nationalpark Taiwans und ist nach der Taroko Schlucht benannt. Ein verheerendes Erdbeben im 2024 führte dazu, dass grosse Teile der Schlucht eingestürzt sind und viele Wege und Sehenswürdigkeiten im Moment nicht erreichbar sind. So fahren wir am Dienstag erstmal zum Visitor Center am Eingang der Schlucht. Das Visitor Center ist riesig und enthält zahlreiche Ausstellungen über die Fauna und Flora sowie über die indigenen Völker der Region. Da es angefangen hat zu regnen, nehmen wir uns Zeit die Ausstellungen zu studieren. Da die Schlucht für den Verkehr nur zu gewissen Zeiten freigegeben ist fahren wir erst am Mittag rein. Trotz vielen Baustellen ist es eindrücklich durch diese wilde Schlucht mit den hohen Felswänden zu fahren. Nur ist es fast nicht möglich diese zu fotografieren. Wir fahren bis Tianxiang wo wir eine grosse Tempelanlage besuchen. Zwei Stunden später können wir wieder aus der Schlucht rausfahren.
Da uns langsam die sauberen Kleider ausgehen entscheiden wir, mit dem Zug in die nahegelegene Stadt Hualien zu fahren. Er top moderne Expresszug fährt uns innert nur 12 Minuten in die Stadt. Mit dem Auto hätte es doppelt so lange gedauert. In der Nähe des Bahnhofes finden wir einen Waschsalon um unsere Kleider zu waschen und trocknen. Die Wartezeit verbringen wir auf dem Spiel- und Fitnessplatz nebenan.
Im Anschluss fahren wir mit dem Bus quer durch die Stadt zum Nachtmarkt. Es ist noch etwas nass und so hat es ziemlich wenig Leute. Auf Plastikstühlen nehmen wir vor einem kleinen Restaurant auf dem Nachtmarkt platz um etwas zu essen. Dank der Hilfe der Tischnachbaren können wir trotz chinesischer Speisekarte etwas feines bestellen. Die Kinder müssen natürlich noch ein paar Spiele ausprobieren ehe es mit dem Bus zurück zum Bahnhof und einem Fast Local Train zurück nach Xincheng in unsere Unterkunft geht.

 

Weiter geht die Fahrt Richtung Süden. Da die Strecke entlang der Küste ziemlich kurvig ist und länger dauert entscheiden wir uns, im Landesinnern zu fahren. Da es an der Ostküste keine Autobahn gibt fahren wir alles auf „Schnellstrassen“. Diese sind meist zweispurig, führen aber durch jede Ortschaft und sind somit alle paar hundert Meter mit Ampeln bespickt. Manchmal erwischt man eine grüne Welle, manchmal auch nicht. Die gut drei stündige Fahrt führt aber durch schöne, sehr grüne Landschaften und vorbei an vielen Reisfeldern. Kurz vor unserem Ziel entdecken wir ein Strassenschild auf welchem etwas von Reis Kooperative steht. Wir besuchen die kleine Ausstellung und decken uns im Hofladen mit allerlei Reischips ein. Kurz darauf checken wir in unserer Unterkunft für eine Nacht, dem Goose House mitten im Grünen ein.
In der Gegend gibt es einige Thermalquellen und Simon hat gesehen, dass man am Ufer eines Flusses im warmen Wasser baden kann. So packen wir unsere Badesachen und machen uns auf die Suche. Unterhalb eines geschlossenen Thermalbades finden wir ein paar ältere Einheimische beim Baden. Sie deuten uns mit Händen den Weg um runter zu kommen und heissen uns dann herzlich willkommen. Leider finden wir mit ihnen aber keine Sprache die wir alle versehen aber mit Händen und Füssen klappt es trotzdem. Das Ganze scheint wie eine Alte Wellnessanlage am Fluss da die Becken teilweise aus Beton sind. Die Einheimischen haben Schläuche installiert mit kaltem Flusswasser um die Becken nach Gutdünken zu kühlen. Das Wasser aus dem Boden dampft nämlich und ist kochend heiss. Jedenfalls geniessen wir unser gratis Spa.
Baden macht hungrig und so fahren wir zum Bahnhof Luye wo uns Google ein gutes Restaurant anzeigt. Von aussen macht es nicht den Anschein, aber wir haben sehr gut gegessen.

 

Die Kinder können es kaum mehr erwarten im Meer zu baden und so machen wir uns am Donnerstag weiter auf den Weg Richtung Süden. Entlang von Obstbäumen und Ananasfeldern führt unsere Fahrt direkt nach Wanglitong. Die dortige Bucht wird als sehr guter Schnorchel-Spot beschrieben. Das Thermometer zeigt 32°C und so freuen wir uns aufs Wasser. In Wanglitong gibt es keinen Strand, sondern nur eine Treppe runter zum Meer. Wir sind noch etwas skeptisch ob die Unterwasserwelt wirklich etwas zu bieten hat, werden aber kurze Zeit später nicht enttäuscht. Schon beim ersten schnorcheln sehen wir eine grosse Schildkröte (leider war die Kamera noch nicht bereit). Auch zahlreiche bunte Fische schwimmen uns über den Weg. Wir sind sehr positiv überrascht wie schön es ist. Zufrieden fahren wir noch das letzte Stück zu unserer Unterkunft in Kending. Das Hotel Anich Fashion Inn liegt an der Hauptstrasse, ist nicht riesig aber sehr familienfreundlich. So haben wir sechs Betten, drei oben und drei unten. Die unteren sehen aus wie Schlafkojen und sind sehr gemütlich. Zudem gib es ein grosses Bällebad und viele weitere Spielmöglichkeiten für die Kinder. Den frühen Abend lassen wir am Strand ausklingen ehe wir uns auf dem Nachtmarkt direkt vor der Haustüre verköstigen.

 

Den Freitag gehen wir gemütlich an. Nach dem Frühstück, vis-à-vis vom Hotel spazieren wir zehn Minuten zum Small Beach. Wir geniessen den schönen Strand mit „sandele“ und schnorcheln. Wieder werden wir nicht enttäuscht. Wir sehen unter anderem Nemos, Kugelfische, eine kleine Schildkröte und eine Seeschlange. Leider macht das Unterwassergehäuse für das Iphone wieder nicht mit, wir behalten das Schnorcheln aber in schöner Erinnerung.
Nach etwas Erholung im Hotel gehen wir am Abend thailändisch essen und im Anschluss schlendern wir nochmal über den Nachtmarkt.

 

 

Am Samstag ist es bedeckt und windig. Da wir am Vortag etwas viel Sonne erwischt haben entscheiden wir uns, erstmal die Kenting National Forest Recreation Area in unserer Nähe. Vom Parkeingang aus geht es zu Fuss auf gut ausgebauten Wegen und durch einen wunderschönen Wald zur Fairy Cave. Vom Observation tower geniessen wir einen schönen Rundumblick und stillen den ersten kleinen Hunger (bei Sandro war er eher gross). Wir spazieren weiter durch den Wald, sehen verschiedenste exotische Pflanzen, Affen und bunte Schmetterlinge. Zurück beim Parkeingang entscheiden wir uns nicht an den Strand sondern ins Nationale Museum für Meeresbiologie und Aquarium zu fahren. Wir sind fasziniert von den zahlreichen, teilweise riesigen Aquarien. Ein Teil ist der Unterwasserwelt Taiwans gewidmet. Von den Fischen in den Bächen bis hin zu den Lebewesen vor der Küste Taiwans. Weiter gibt es Aquarien zu den Fischen der Welt und sogar Pinguine sind zu bestaunen. Oftmals läuft man durch Tunnel wo neben und über einem die Fische hin und her schwimmen. Alles ist super schön inszeniert, so zum Beispiel spaziert man durch ein versunkenes Schiff oder man bewegt sich in einer Unterwasser-Forschungsstation. Wir sind fasziniert und bleiben bis kurz vor der Schliessung des Museums.
Zurück in Kending stürzen wir uns ein letztes Mal auf den Nachtmarkt. Man merkt gut, dass es Samstagabend ist. Es hat wesentlich mehr Leute und auch mehr Stände. Wir kaufen das Eine oder Andere ein ehe wir uns im italienischen Restaurant nebenan Spaghetti gönnen. Da direkt vor dem Hoteleingang Nachtmarkt-Spielautomaten stehen, kommen wir natürlich um ein letztes Spiel nicht herum.

 

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